Auf den Spuren der Goldsucher

16. August 1896: Georg Washington Carmack sowie seine beiden Freunde Tagish Charlie und Skooum Jim Mason finden im Bonanza Creek bei Dawson City Gold. Dieser Fund löste anschließend den größten Goldrausch aller Zeiten aus. Den Höhepunkt erreichte er im Jahr 1898, als mehr als 100.000 Menschen sich auf den Weg nach Dawson City machten.

10. August 2001: Wir bummeln durch Skagway an der Pazifikküste von Alaska. Seit dem Goldrausch sind ein paar Tage vergangen. Trotzdem stammen noch viele der Gebäude aus der Zeit des Goldrausches. Hier soll auch unsere Reise auf den Spuren der Goldsucher von damals beginnen.

Die meisten von Ihnen kamen hier mit dem Schiff aus Seattle an, um dann weiter über den Chilkootpaß und auf dem Yukon River nach Dawson zu gelangen. Gegenüber des Red Onion Saloon`s befindet sich das Visitor Center. Dort müssen wir unser Permit für den Chilkoot Trail abholen, welches wir bereits reservieren ließen, da täglich nur 50 Personen über den Trail wandern dürfen. Nachdem uns die freundliche Rangerin noch einmal über die Verhaltensregeln zum Trail aufgeklärt hatte, dürfen wir auch gleich unsere Hände auf einen großen Quarz legen, der natürlich aus dem legendären Bonanza Creek stammt. Feierlich schwören wir, daß wir diese Regeln auch befolgen werden.

Zu Fuß geht's dann am Taiya Inlet entlang nach Dyea, dort wo der Trail beginnt. Von der kurvigen Sandstraße haben wir einen guten Blick über die Bucht. Im milchigen Pazifikwasser entdeckte ich ein paar Schweinswale. In der Mündung des Taiya River jagen Seelöwen nach Fischen. Der erste Weißkopf-Seeadler gleitet über uns hinweg.

 

Am nächsten morgen kitzelt uns die Sonne an der Nase. Super Wetter zum Trailanfang, das uns übrigens die darauffolgenden Wochen erhalten blieb. Los geht's, bergauf, bergab durch dichten Wald, Moos überzieht die Felsen, Farne wachsen unter den Bäumen, grün wohin man auch sieht. Etwas unerwartet sehen wir bereits nach 1 Stunde unseren ersten Grizzlybär am Fluss. You are in Bear Country steht ja fast auf jeder Hinweistafel. Entsprechend ist unser Verhalten in den Camps. Nichts was irgendwie riecht darf mit ins Zelt. Deswegen ziehen wir unsere Rucksäcke auf die dafür vorgesehenen Bear Poles, damit Meister Petz nicht ran kommt.

 

Upps, Gold! Als ich meinen Löffel mit etwas Sand am Fluß reinige, finde ich darin etwas Goldstaub. Das Fieber packt uns, auch wenn es mit dem Löffel wohl etwas länger dauern dürfte bis wir reich sind. Nach unserem 2. Lager im Sheep Camp steigt der Trail deutlich an. Die Umgebung wird steiniger, die Bäume niedriger, bis sie ganz verschwinden. Einen direkten Weg gibt es hier nicht mehr. Aufgetürmte Steine zeigen uns wo wir entlang gehen sollten. Die Scales (Waage) sind erreicht. Damals war dieses Plateau übersäht mit Menschen und deren Gepäck. Hier wurden ihr Hab und Gut nochmals gewogen, da ja jeder 1 Tonne Lebensmittel für ein Jahr mitführen mußte.

 

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es weiter über Schneefelder Richtung Golden Stairs. Der eigentlich schwierigste Teil des Trail macht bei diesem Wetter eigentlich Richtig Spaß. Der Anstieg ist etwa 45 Grad steil. Wir überwinden die Felsbrocken teilweise auf allen vieren. Da wir aber genügend Zeit haben, halten wir oft an und blicken zurück in das Tal aus dem wir gekommen sind. Blauer Himmel, keine Wolke, schneebedeckte Berge und Gletscher - traumhaft. Wenn man die Berichte von anderen Trail Gehern gelesen hat. Kalt, naß, schlechte Sicht, miserabelster Platz auf Erden, längster Tag des Jahres, naja Glück muß der Mensch eben haben. Ein letzter kleiner Aufstieg noch und dann sehen wir wieder Maple Leaf das Ahornblatt auf der Kanadischen Flagge. Alaska liegt hinter uns.

 

Bei mir gab’s heute Huhn in Curryrahm, bei Sepp Zigeunertopf, bei Werner Nasi Goreng und bei Egon Jägertopf. Travellunch, leicht, schnell zubereitet, lecker, genial. Unsere letzte Etappe ist etwas über 20 km lang. Da uns um 17:00 Uhr ein Wasserflugzeug in Bennett abholen soll, müssen wir uns ein wenig beeilen. Bis zum Deep Lake müssen wir meist auf losem Fels marschieren. Ab hier verändert sich die Landschaft. Der Geruch der niedrigwachsenden Kiefern fällt uns zuerst auf. Der Trail führt vorbei an Wasserfällen, alten Öfen und Überresten von kleinen Booten. Es ist wieder ein sehr schöner warmer Tag, so daß wir sehr gut vorankommen. Kurz nach Bare Loon Lake verzweigt sich der Weg. Rechts geht es nach Log Cabin; wir aber gehen gerade aus weiter. Die letzten Kilometer sind mühsam, da wir auf sandigem Boden gehen müssen. Doch dann sehen wir die Turmspitze der St. Andrews Church. Wir sind in Bennett. Der Trail liegt hinter uns. Unten am alten Bahnhofsgebäude warten bereits andere Wanderer auf den Zug zurück nach Skagway.

 

Der Wind frischt auf. Mit etwas Verspätung kommt unser Flugzeug. Zu unserer Enttäuschung dreht der Pilot nach einer Runde wieder ab. Eine Landung auf dem Wasser wäre bei soviel Wind viel zu riskant. Nach einer schönen Nacht am Lake Bennett, hören wir am morgen das brummen eines Flugzeugmotores. Gerd unser Buschpilot hat uns nicht vergessen. Nach einem unvergeßlichen Rückflug nach Whitehorse, beginnt unsere zweite Etappe auf dem Weg nach Dawson City.

 

Gegen Mittag bringt uns der Kanuvermieter unsere beiden Kanus. Mit ihm unternehmen wir eine Einkaufsfahrt. Als wir den Van ausgeladen haben, stehen wir vor einem Berg Ausrüstung und Proviant für die nächsten zwei Wochen. Wir brauchen zwei Stunden bis wir alles sicher verpackt und verstaut haben. Nun können wir es kaum noch erwarten daß es los geht. Eine sehr kräftige Strömung packt unsere vollbepackten Kanus und schon sind wir mitten auf dem Yukon River. An dieser Stelle ist der Fluß nicht besonders tief, so daß wir bis auf den Grund sehen können. Es geht viel schneller voran als wir dachten. Die letzten Häuser von Whitehorse liegen hinter uns.

 

Wir hören nur noch die Geräusche des Flusses. Schon nach wenigen Stunden erreichen wir den Lake Laberge. Es ist bereits 21:00 Uhr als wir unser 1. Lager bei Upper Laberge am rechten Seeufer aufschlagen. Als Belohnung für unsere bisherigen Anstrengungen lege ich für jeden ein 500 Gramm Steak aufs Feuer. Um uns surren ein paar Moskitos, doch bei einem Bier und diesem Bilderbuch-Sonnenuntergang kann uns das nicht besonders stören.

 

Bei schlechtem Wetter kann der See für ein Kanu sehr gefährlich werden. Wir aber haben das Glück offensichtlich gepachtet. Bei viel Sonne starten wir zu unserer Seeüberquerung. 50 km See liegen vor uns, ohne Strömung die uns hilft. Das bedeutet paddeln, paddeln, paddeln. Werner ist davon total begeistert. Nach 10 Stunden ist besonders er froh, als uns kurz vor Lower Laberge die Strömung wieder erfaßt und uns zu unserem Lager schiebt. Am nächsten Morgen ist Waschtag. Sowohl Kleidung als auch unsere Körper tauchen in das klare Wasser des Yukon.

 

Der nun folgende Abschnitt heißt Thirty Mile River. Es ist der schönste Teil des Yukon. Schnell zieht uns der Fluß. Viele Flußwindungen und leichte Stromschnellen erfordern unsere ständige Aufmerksamkeit. Wir sehen Weißkopf-Seeadler. Egon angelt einen Lachs. Kurz hinter Hootalinqua ist eine Elchkuh mit ihrem Kalb unterwegs. Durch den Zusammenfluß mit dem Teslin River ist der Yukon trüber geworden. Es ist nicht besonders schwer einen Lagerplatz zu finden; man darf nur nicht wählerisch sein. Meistens Übernachten wir auf kleinen Sandbänken mitten im Fluß. Trockenes Treibholz für unser Lagerfeuer finden wir immer reichlich. Da wir uns im Bärenland befinden, essen wir ausschließlich unterwegs, damit unser Lager frei von Essensgerüchen bleibt.

 

An der Mündung des Big Salmon River liegt ein verlassenes Indianerdorf. Die Hütten sind bereits stark verfallen. Der Wald im Umland fiel einem Waldbrand zu Opfer. Ein Zettel an einer Hütte warnt uns vor einem Grizzlybär. Die einzige Stadt auf unserem Weg nach Dawson heißt Carmacks. Hier füllen wir noch ein letztes mal unserer Vorräte auf. Die Zeit reicht auch noch für ein Telefongespräch nach Hause. Übernachten wollen wir hier nicht. Da draußen ist es doch viel schöner. Mit gemischten Gefühlen nähern wir uns den Five Finger Rappids und den Rink Rappids; den einzigen Stromschnellen, die schon so manchem Flußfahrer zum Verhängnis wurden. Da der Wasserstand nicht besonders hoch ist, durchfahren wir beide ohne große Probleme.

 

Der Fluß wird breiter. Am Zusammenfluß mit dem Pelly River liegt Fort Selkirk, ein ehemaliger Handelsposten. Viele Gebäude sind hier renoviert worden. Eine Frau der First Nation wacht über das Gelände und führt Interessierte durch das Fort. Es geht weiter nordwärts. Auf einer Insel sehe ich eine Schwarzbärin mit ihrem Jungen. In der anschließenden Nacht besucht uns ein Bär in unserem Camp. Da er bei uns nichts findet zieht er weiter. Bären sind sehr gute Schwimmer, das sehen wir ein paar Tage später, als ein Blacky einfach so über den Yukon schwimmt. Da wir gut in der Zeit liegen, lassen wir uns jetzt sehr oft einfach treiben. So läßt sich dieses weite Land am besten genießen. Diese Stille ist unglaublich. Ab und zu kreischt ein Adler oder warnt ein Eichhörnchen.

 

Der White River verändert den Fluß am meisten. Sein trübes Gletscherwasser färbt den Yukon milchig weiß ein. Unser Fluß ist jetzt sehr breit geworden. Kurz vor Dawson City entdecke ich einen Wolf am Ufer. Unser letzter Abend vor dem Ziel ist sternenklar. Die letzten Nächte sind bereits deutlich kühler geworden. Wie zum Abschied leuchtet das Polarlicht. Mit viel Gegenwind erreichen wir am nächsten Tag Dawson City - geschafft. 730 wunderbare Flußkilometer durch unberührte Natur liegen hinter uns. Ein paar Tage haben wir noch Zeit für die Stadt und ihre Geschichte.

 

Am vorletzten Tag verladen wir unsere Kanus noch einmal aufs Auto. Von Dieter, Eigentümer des Dawson City River Hostel, lassen wir uns zum Klondike River fahren. Von unserer Einstiegsstelle bis zurück nach Dawson haben wir noch einmal sehr viel Spaß. Der Fluß ist klar, sehr kurvenreich und hat viele leichte Stromschnellen. Am Abend ziehen wir dann noch einmal in den Sourdough Saloon. Heute Abend ist auch Captain Trout da. Bei ihm gibt es den berühmten Sourtoe Cocktail, der Cocktail mit dem Zeh, das aber ist eine andere Geschichte.

 

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